Mythologie der Goblins: Geschichte von der Folklore bis zu D&D

Kobolde, diese kleinen, grotesken und oft bösartigen Kreaturen, haben die menschliche Fantasie seit Jahrhunderten beflügelt. Typischerweise werden sie als kleine Humanoide mit grüner Haut, spitzen Ohren und einer Vorliebe für Unfug oder regelrechte Bosheit dargestellt. 

Ihre Eigenschaften sind sehr unterschiedlich: Manche sind verspielte Gauner, die in Haushalten herumspuken, während andere blutrünstige Diebe sind, die in Höhlen lauern. Dieser Artikel befasst sich mit der gesamten Geschichte der Kobolde und verfolgt ihre Wurzeln in der alten Folklore, ihre Entwicklung in der Literatur und Mythologie und ihren allgegenwärtigen Einfluss in der modernen Popkultur, einschließlich bahnbrechender Werke wie J.R.R. Tolkiens Schriften und Rollenspiele wie Dungeons & Dragons (D&D). Wir werden keine Details auslassen und die Unterschiede zwischen den Kulturen, die wichtigsten Darstellungen und die Anpassung dieser Wesen an die heutigen Medien untersuchen.

Etymologie und Ursprünge

Das Wort “Goblin” tauchte im 14. Jahrhundert zum ersten Mal im Englischen auf, abgeleitet vom unbestätigten anglo-normannischen *gobelin, das mit dem altfranzösischen gobelin (belegt um 1195) und dem mittellateinischen gobelinus (vor 1141) verwandt ist und einen Teufel oder Dämon bezeichnete, der in der Region Évreux in der Normandie spukte.

Eine skurrile Illustration, die einen Kobold aus einem Märchen zeigt.

Etymologen verbinden es mit dem deutschen kobold, Das Wort “Kobalos” stammt aus dem Griechischen und bedeutet “Schelm”, “Schurke”, “Kobold” oder “Goblin” - eine Bezeichnung für einen Betrüger in alten Mythen. Eine andere Theorie führt den Namen auf die germanische Wurzel kov- zurück, die “hohl in der Erde” bedeutet und auf unterirdische Bewohner hindeutet, oder sogar auf französische Namen wie Gobel, der “jemand, der Becher oder Becherchen verkauft” bedeutet. Das walisische coblyn, ein Grubenklopfer, leitet sich über das Altfranzösische vom englischen goblin ab. Alternative Schreibweisen sind gobblin, gobeline, gobling, goblyn, goblino und gobbelin, wobei "goblette" gelegentlich für Frauen verwendet wird.

Kobolde waren in der europäischen Folklore des Mittelalters wahrscheinlich eine weit gefasste Kategorie, die als Sammelbegriff für böse oder schadenfrohe Geister diente. Sie waren nicht genau definiert, sondern stammten aus dem vorchristlichen heidnischen Glauben an Naturgeister, Dämonen und Haushüter, die rachsüchtig werden konnten. Einige Gelehrte vermuten antisemitische Untertöne in den mittelalterlichen Darstellungen, in denen Kobolde als kleine, diebische, tierähnliche Gestaltwandler dargestellt wurden, die Stereotypen in europäischen Überlieferungen widerspiegeln. Ihre Ursprünge liegen in der germanischen und britischen Feentradition, wo sie als bösartige Gegenstücke zu den wohlwollenden Feen angesehen wurden. 

Ein Foto von einem Kobold in einem Keller.

Kobolde in der europäischen Folklore

In der westlichen Folklore sind Kobolde umherstreifende Geister - schelmische Bösewichte, die in Höhlen, Ritzen oder Haushalten leben und sich an Streichen oder Bosheit erfreuen. In englischen, schottischen, walisischen und irischen Erzählungen wird “Goblin” als Sammelbegriff für böse Geister verwendet, die von Haushaltshilfen bis hin zu bestialischen Dieben mit magischen Fähigkeiten wie der Gestaltwandlung reichen. 

Sie haben unterschiedliche Temperamente: Einige sind grotesk und klein, andere größer und menschenähnlicher.

- Normandie und Frankreich: Der Gobelin war im 12. Jahrhundert eine böse Kreatur. In der Bretagne sind die Korrekturans - kleine Wesen, die an alte megalithische Stätten gebunden sind - auf der Suche nach Schätzen, spielen Scherze und können von gutmütig bis bösartig sein, manchmal Kinder stehlen oder Reisende in die Irre führen.

- Anglo-Scottish Borders: Der Redcap ist ein grausamer Kobold, der seinen Hut mit Menschenblut färbt, verfallene Schlösser bewohnt und Reisende ermordet. 

- England und Schottland: Hobgoblins sind freundliche Trickbetrüger und Haushaltshilfen, die mit Essen belohnt werden, aber zu Streichen neigen, wenn sie beleidigt sind. Shakespeare machte sie im Sommernachtstraum mit Puck bekannt, einem Kobold, der sich damit brüstet, seine Gestalt zu verändern. 

- Deutschland: Der Erlkönig ist ein bösartiger Geist, der Kindern schadet und in Goethes Gedicht verewigt wurde. Kobolde, koboldähnliche Gruben- und Hausgeister, verrichten Arbeiten, werden aber rachsüchtig, wenn sie beleidigt werden. Sie sind mit dem Mineral Kobalt verbunden und nach ihren betrügerischen Tricks gegenüber Bergleuten benannt. 

- Spanien und Portugal: Trasgus sind böse, hinkende Geister, die im Haushalt für Chaos sorgen, aber gelegentlich auch Aufgaben erledigen, wenn sie nicht verspottet werden.

Eine künstlerische Darstellung eines Kobolds, der einen Schornstein betritt.

- Skandinavien: Dunkelelfen (svartálfar) und kleine Trolle ähneln Goblins, magischen Wesen, die mit unterirdischen Reichen verbunden sind. 

- Niederlande: Volksmärchen wie “Die zu Stein gewordenen Kobolde” stellen sie als furchterregende Entführer dar, die von cleveren Menschen in Felsen verwandelt werden. 

Im Volksglauben werden Kobolde oft mit Feen, Dämonen oder Elfen verwechselt, ohne dass man sich über ihre Natur im Klaren ist - einige Wissenschaftler stellen fest, dass sie Hausfeen waren, die mit der Zeit zu domestizierten Geistern wurden. Sie können unsichtbar sein, Krankheiten verursachen oder Schätze bewachen und verkörpern die Furcht der Menschen vor dem Unbekannten.

Kobolde in den Weltmythologien: Variationen zwischen den Kulturen

Obwohl Kobolde hauptsächlich in Europa vorkommen, gibt es ähnliche Kreaturen auf der ganzen Welt, oft als kleine, trickreiche Geister, die mit der Natur oder dem Übernatürlichen verbunden sind. 

- Amerikanischer Ureinwohner (Wampanoag): Pukwudgies sind kleine, grauhäutige Wesen mit großen Ohren und Nasen, die die Fähigkeit haben, ihre Gestalt zu verändern, unsichtbar zu werden und Feuer zu manipulieren; sie sind schelmisch, können aber auch tödlich werden, wenn sie provoziert werden.

Ein Porträt eines Goblin-Diebs.

- Anden (Quechuan): Muki sind höhlenbewohnende Kobolde, die nach Schätzen graben und Menschen in den Untergrund locken.

- Südkorea: Dokkaebi sind gehörnte, keulenschwingende Geister, die das Gute belohnen und das Böse bestrafen, manchmal auch spielerische Ringer oder Schatzwächter. 

- Bangladesch (Santal): Gudrobonga sind koboldähnliche Trickbetrüger in Stammesüberlieferungen.

- Indien (Kerala): Kuttichathan sind boshafte oder böse Kobolde, die in Ritualen beschworen werden.

- Südafrika: Tokoloshe sind zwergenhafte Wassermänner, die von Schamanen erschaffen wurden, um Schaden anzurichten. Sie sind für Erwachsene unsichtbar, aber für Kinder sichtbar; sie sind gedrungen, haarig und zombieartig. 

- Islamische Überlieferung: Manchmal werden sie mit Dschinns verwechselt, vor allem mit Ifrit (feurige Dämonen) oder Ghilan (Friedhofsgespenster).

- Laos: Eine Variante geht auf indianische Mythen zurück, in denen Kobolde als saisonale Baumsäger dargestellt werden. 

- Simbabwe und das alte Ägypten: Koboldartige Wesen tauchen in afrikanischen und sogar pharaonischen Legenden als Haushaltsschädlinge oder Dämonen auf.

Diese Variationen heben die Kobolde als Archetypen des Chaos hervor, die sich oft an lokale Umgebungen - Wälder, Minen oder Häuser - anpassen und die universellen menschlichen Ängste vor versteckten Gefahren widerspiegeln.

Darstellungen aus dem Mittelalter und der Renaissance

Im Mittelalter tauchten Kobolde in moralischen Geschichten und Bestiarien als Dämonen oder Gegenspieler der Feen auf und symbolisierten die Sünde oder heidnische Überbleibsel. In der Literatur der Renaissance tauchten sie in Werken wie Edmund Spensers The Faerie Queene als allegorische Bösewichte auf. In der Kunst wurden sie als groteske Kobolde in illuminierten Manuskripten oder Bosch-ähnlichen Höllenlandschaften dargestellt. Volksmärchen warnten Kinder vor Kobolden als Schreckgespenstern, die sich mit Hexenjagden und Feenglauben vermischten.

Ein digitales Kunstwerk, das Kobolde im nächtlichen Wald bei Vollmond zeigt.

Kobolde in der Literatur

Die frühe moderne Literatur machte Kobolde zu einem festen Bestandteil der Fantasy. In George MacDonalds Roman "Die Prinzessin und der Kobold" von 1872 sind sie unterirdisch lebende, animalische Feinde, die gegen die Menschen intrigieren, und werden als weichfüßig und grotesk dargestellt. 

J.R.R. Tolkien revolutionierte die Kobolde in Der Hobbit (1937), und stellt sie als böse, höhlenbewohnende Humanoide in den Misty Mountains dar - grausam, böse und erfinderisch mit Maschinen und Liedern wie “Clap! Snap! Der schwarze Riss!” In Der Herr der Ringe (1954-1955) bevorzugt er “orc” (aus dem Altenglischen für “Dämon”), aber stellt fest, dass Goblins synonym sind, möglicherweise kleiner oder ein Hobbit-Begriff für Orks. Die Unterschiede? Orks sind menschengroße, verdorbene Elfen, die von Morgoth; Die Goblins können kleinere Orks oder tunnelangepasste Varianten sein. Zu den Untertypen gehören Uruk-hai (größere, sonnenlichttolerante), Snaga (Sklaven) und Goblin-Menschen (Halb-Orks). Tolkien schöpfte aus der Folklore, machte sie aber zu industrialisierten Übeltätern, die im Gegensatz zu naturverbundenen Ethnien stehen. 

Nach Tolkien haben sich die Goblins stark vermehrt: In Terry Pratchetts Scheibenwelt sind sie zunächst verachtete Unterirdische, später mechanische Genies. In J.K. Rowlings Harry-Potter-Reihe werden sie zu intelligenten Bankern und Metallarbeitern, die sich gegen die Zauberer auflehnen. Zu den weiteren Werken gehört Katherine Addisons The Goblin Emperor, das sich mit der Politik der Goblins beschäftigt.

Ein Kobold findet einen Schatz.

Goblins in Dungeons & Dragons

Inspiriert von Tolkien führte D&D die Goblins 1974 in der “White Box” als niedrigstufige, stammesgebundene Humanoide ein - schwache, aber zahlreiche Feinde für Anfängerabenteurer. Sie entwickelten sich zu “Goblinoide,Eine Familie, zu der Goblins (klein, hinterhältig), Hobgoblins (militaristisch, größer) und Bugbears (brutale Riesen) gehören. In den ersten Ausgaben waren die Kobolde chaotische, böse Höhlenbewohner, die in Rudeln unter der Führung des Stärksten plündern. 

- Editionen Evolution: In AD&D (1977-1989) wurden sie als barbarische Stämme beschrieben, die Maglubiyet, einen Eroberungsgott, anbeteten. Die 3. Edition (2000) fügte spielbare Goblins und regionale Varianten hinzu. Die 4. Edition (2008) betonte ihre Feigheit und Fallen. Die 5. Edition (2014) vertieft die Tragödie: Die Goblinoiden wurden von Maglubiyet in der Feenwelt als Krieger erschaffen, wurden aber erobert und verflucht, was zu hierarchischen Gesellschaften führte, in denen die Goblins unterdrückte Untergebene sind. Sie sind klein, gewandt und haben Fähigkeiten wie "Flinke Flucht".

- Einstellungen: In den Vergessenen Reichen sind Goblins Überlebende von Stämmen in rauen Ländern, oft Sklavenhändler oder Söldner. Baldur's Gate 3 (2023) stellt sie sympathisch dar und bietet spielbare Optionen. Das moderne D&D geht vom inhärenten Bösen zur kulturellen Nuance über und erlaubt Goblins mit guter Gesinnung. 

 

Ein schelmischer, verkleideter Kobold.

D&D hat die Goblins als Kanonenfutter populär gemacht, aber neuere Editionen fügen ihnen mehr Tiefe hinzu, wie zum Beispiel ihre angstgetriebene Gesellschaft und ihr Potenzial zum Heldentum. 

Kobolde in der Popkultur: Filme, Spiele und mehr

Tolkiens Einfluss zieht sich durch die Medien der Zeit nach 1950, aber die Kobolde haben sich diversifiziert.

- Filme und Fernsehen: Unter Peter Jacksons Die Hobbit-Trilogie (2012-2014) sind die Kobolde unter dem Großen Kobold (gesprochen von Barry Humphries) grotesk und krötenähnlich, mit industrialisierten Königreichen.  Harry Potter Filme zeigen Kobolde als gewiefte Gringotts-Banker. Im Zeichentrickfilm Der Hobbit von Rankin/Bass aus dem Jahr 1977 werden sie als gehörnte, krallenbewehrte Biester dargestellt. Spider-Mans Grüner Kobold (Norman Osborn) ist ein Superschurke mit Gleiter und Bomben, der in Comics (1964) und Filmen wie Spider-Man (2002) und No Way Home (2021) auftaucht. Andere Varianten: Hobgoblin, Grauer Kobold. Frühe Übersetzungen der Schlümpfe nannten sie Goblins. 

Eine klassische Zeichnung eines Kobolds in einer mittelalterlichen Umgebung.

- Spiele: In The Elder Scrolls sind Goblins ein feindseliges, höhlenbewohnendes Tiervolk von der Insel Summerset.  World of Warcraft stellt sie als technikbegeisterte, explosionsfreudige Händler/innen dar. In D&D-inspirierten Spielen wie Baldur's Gate gibt es Goblinüberfälle. In Gänsehaut: Goblin Monday sind sie grünpelzige Schrecken.

- Andere Medien: Die Fry Guys von McDonald's waren früher “Gobblins”. In Comics und Litrpg-Romanen verweisen Goblins auf die Popkultur, z. B. in Serien mit Fantasy-World-Crossover. In Memes und Fankunst werden sie oft als niedliche oder chaotische Neutrale dargestellt.

Eine stilisierte Illustration eines Kobolds mit großen spitzen Ohren.

Moderne Kobolde reichen von Bösewichten bis hin zu Anti-Helden und spiegeln den Wandel hin zu mehr Empathie in der Fantasy wider. 

Fazit

Von schurkischen Geistern in alten Griechische Mythen bis hin zu technikbegeisterten Außenseitern in Videospielen verkörpern Kobolde die Faszination der Menschheit für das “Andere” - Mischwesen, die unsere Schwächen und Ängste widerspiegeln. Tolkien und D&D haben ihr monströses Image zementiert, aber die nuancierten Trickbetrüger der Folklore bleiben bestehen und entwickeln sich in einer multikulturellen Welt weiter. Ob sie nun Socken klauen oder gegen Helden kämpfen, Kobolde sind zeitlos und beweisen, dass selbst die kleinsten Kreaturen lange Schatten in unserer kollektiven Vorstellungskraft werfen können.

Ein Bild von einem Kobold, der in einem Keller herumschnüffelt.

Schmiede deinen Weg mit uns!