Die Geschichte zweier Burgen: Ein Vergleich von G.I. Joes "Skeletons in the Closet"

Einleitung: Die große Kluft bei G.I. Joe in den 1980er Jahren

Die G.I.-Joe-Reihe ist bekannt für ihre “gespaltene Persönlichkeit” in den 1980er Jahren – einem Jahrzehnt, in dem die Marke sowohl in den Comics als auch im Fernsehen dominierte. Während die Marvel Comics Serie und die Sunbow-Zeichentrickserie Obwohl sie sich eine Spielzeugreihe, eine Reihe von Kultfiguren und das allgemeine Grundkonzept “Gut gegen Böse” teilten, spielten sie in völlig unterschiedlichen Universen mit jeweils eigenen physikalischen Gesetzen und Charaktermotivationen.

Diese Abweichung betraf nicht nur kleine Details; es handelte sich um einen grundlegenden Unterschied in der Erzählphilosophie. Die Comics setzten auf düsteren Militärrealismus und langatmige politische Dramen, während die Zeichentrickserie auf hochkonzeptionelle Science-Fiction und kitschige Abenteuer setzte. Ein Paradebeispiel für diese Abweichung findet sich in zwei Geschichten mit demselben Titel: Marvel Comics, Ausgabe #57 und Staffel 1, Folge 53 der Zeichentrickserie, beide mit dem Titel Leichen im Keller.” Trotz des gemeinsamen Titels und der stimmungsvollen schottischen Kulisse handelt es sich um grundlegend unterschiedliche Geschichten. Die eine ist ein hochbrisanter Unternehmensputsch mit Identitätsdiebstahl und Militärgeheimdienst, während die andere ein gotischer Krimi ist, der den Stammbaum einer der Hauptfiguren grundlegend verändert. Wenn wir diese beiden Versionen nebeneinander betrachten, erkennen wir einen perfekten Mikrokosmos dafür, warum der G.I. Joe-Kanon für Sammler und Historiker oft ein “Wähle-dein-eigenes-Abenteuer”-Erlebnis ist.

Handlungsübersicht: Spionage gegen das Übernatürliche

Obwohl sich beide Geschichten um Destros Stammhaus in Schottland drehen, könnten die treibenden Kräfte hinter den Handlungen unterschiedlicher nicht sein. Die Comic-Erzählung behandelt das Schloss als strategischen Standort und Unternehmenszentrale, während der Zeichentrickfilm den Schauplatz als Kulisse für ein anspruchsvolles psychologisches Drama nutzt. Dieser grundlegende Unterschied in den erzählerischen Schwerpunkten sorgt dafür, dass die beiden Versionen der Geschichte trotz des gemeinsamen Schauplatzes völlig unterschiedlichen Genres angehören.

Der Comic: Ein Militärputsch

In Ausgabe #57 dreht sich die Geschichte um realistische Unternehmens- und Militärspionage, die die kalte, berechnende Natur der Rüstungsindustrie in den Vordergrund rückt. Destro kehrt in sein Schloss zurück und muss feststellen, dass sein gesamtes Leben von einem Betrüger gekapert wurde, der seine Identität angenommen hat und derzeit M.A.R.S., das Military Armament Research System, leitet. Das “Skelett” in diesem speziellen Schrank ist kein Geist, sondern ein Söldner Major Bludd, der sich als der Waffenschmied mit der eisernen Maske ausgibt, um einen riesigen Raubüberfall zu ermöglichen.

Eine G.I. Joe Classified-Actionfigur von Destro in schwarzer Uniform mit rotem Kragen und metallischem Gesicht steht auf einem regennassen Kopfsteinpflasterweg und hält eine schwarze Aktentasche. Die schattenhafte Silhouette von Castle Destro erhebt sich im stürmischen Hintergrund, während warme Lichter durch den Nebel leuchten.

Die Handlung dreht sich um den Diebstahl streng geheimer Baupläne für das „Cobra Terror Drome“, wodurch das Schloss zum Schauplatz industrieller Sabotage wird. Die an der Mission beteiligten Joes, insbesondere Flint und Lady Jaye finden sich in der ungewöhnlichen Lage wieder, als taktische Berater für ihren üblichen Feind zu fungieren. Sie gehen ein unsicheres Bündnis mit dem echten Destro, wodurch er sein Geburtsrecht und seine Geschäftsanteile zurückerhalten konnte – im Rahmen eines pragmatischen Kompromisses, um militärische Geheimdienstinformationen für die Vereinigten Staaten zu sichern.

Der Comic: Gothic-Horror

Die animierte Folge spielt sich wie ein klassischer übernatürlicher Thriller ab und setzt stark auf atmosphärische Klischees und psychologische Manipulation. In dieser Version nimmt die Handlung ihren Lauf, als Lady Jaye ein angeblich spukendes Schloss in Schottland erbt und erfährt, dass sie eine Nacht innerhalb seiner Mauern überstehen muss, um ihr Erbe anzutreten. Die “Skelette” sind hier wörtlich gemeint und furchterregend, denn die Joes müssen sich mit geisterhaften Erscheinungen und Riesenspinnen auseinandersetzen, die den Gesetzen der Physik zu trotzen scheinen.

Letztendlich stellt sich jedoch heraus, dass die übernatürlichen Elemente ein ausgeklügelter Schwindel sind, den Destro selbst inszeniert hat. Er nutzte diese aufwendigen Spezialeffekte, um sein Privatleben mit einem Mantel der Angst zu umgeben und so sowohl die Joes als auch Cobra auf Distanz zu halten. Der Konflikt wird durch die Baroness noch komplizierter, die sich nicht für Baupläne oder Militärgeheimnisse interessiert, sondern aus purer romantischer Eifersucht versucht, Destros Bemühungen zu sabotieren. Das verwandelt die Mission in eine bizarre Mischung aus einem “Scooby-Doo”-Rätsel und einer Seifenoper mit hohem Einsatz.

Die Rolle von Lady Jaye

Die Figur der Lady Jaye dient als wichtigste Verbindung zwischen diesen beiden unterschiedlichen Geschichten und bietet dem Publikum ein bekanntes Gesicht, während es sich durch die feuchten Gänge des McCullen-Anwesens bewegt. Allerdings erfüllt ihre Präsenz in den jeweiligen Medien einen völlig unterschiedlichen erzählerischen Zweck. Während ihre zentralen Charaktereigenschaften – ihre Intelligenz, ihre Meisterschaft in der Verkleidung und ihre Beziehung zu Flint – gleich bleiben, könnten die Herausforderungen, denen sie in den jeweiligen Kontinuitäten gegenübersteht, unterschiedlicher nicht sein.

Der Comic: Der Profi-Agent

Im Marvel-Comics-Universum tritt Lady Jaye als absolute Profi-Agentin auf, deren Prioritäten streng von der jeweiligen Mission bestimmt werden. Ihre Beteiligung an den Ereignissen im Schloss ist rein taktisch und missionsorientiert, da sie den Auftrag hat, die streng geheimen Pläne für das „Cobra Terror Drome“ zu beschaffen. In diesem realistischen militärischen Umfeld ist sie nicht auf der Suche nach ihren Wurzeln oder nach emotionalem Abschluss; sie verrichtet risikoreiche Feldarbeit.

Das G.I. Joe-Team verbündet sich vorübergehend mit Destro gegen Major Bludd.

Ihre Interaktion mit Destro in dieser Version ist von einer kalten, pragmatischen Notwendigkeit geprägt. Sie und Flint behandeln den maskierten Waffenhändler als Verbündeten aus Zweckmäßigkeit, als vorübergehenden Partner in einem gefährlichen Spiel nach dem Motto “Der Feind meines Feindes ist mein Freund”. Indem sie dem echten Destro dabei hilft, Major Bludds Versuch des Identitätsdiebstahls zu vereiteln, sorgt sie für die Sicherheit der Joes und erreicht gleichzeitig ihr eigenes Ziel. In dieser Interaktion gibt es keine Sentimentalität, nur die kalkulierten Handlungen einer Soldatin, die ihre Pflicht gegenüber ihrem Land erfüllt.

Der Cartoon: Die persönliche Offenbarung

In der Sunbow-Zeichentrickserie verlagert sich für Lady Jaye der Einsatz vom Beruflichen ins zutiefst Persönliche, wodurch aus einer Routinemission ein lebensveränderndes Ereignis wird. Im Höhepunkt der Folge gerät sie in ein dunkles Ritual und begibt sich auf die Erkundung eines uralten Stammbaums, der im Schloss verborgen ist. Die Handlung nimmt eine dramatische Wendung, als die Archive ein schockierendes Geheimnis enthüllen, auf das zuvor noch nie angespielt worden war: Lady Jaye ist tatsächlich eine entfernte Cousine von Destro.

Diese familiäre Verbindung bildet den Grundstein für das Vermächtnis dieser Folge und ist bis heute eine der meistdiskutierten Wendungen in der Geschichte der Zeichentrickserie. Plötzlich wird der Kampf zwischen G.I. Joe und Cobra von der Komplexität der Abstammungslinien geprägt, was darauf hindeutet, dass die Grenze zwischen Held und Bösewicht dünner ist, als irgendjemand vermutet hätte. Diese Enthüllung verleiht ihrer Figur eine zusätzliche Ebene gotischen Dramas und verwandelt sie von einer bloßen Teilnehmerin am Konflikt in ein lebendiges Bindeglied zu genau jenem Erbe, das Destro so verbissen schützt.

Kontinuität und Abweichungen vom Kanon

Der Grund, warum sich diese beiden Geschichten so unterschiedlich anfühlen, liegt darin, wie die G.I. Joe Die Marke wurde damals verwaltet.

FeatureComic-Ausgabe #57Zeichentrickserie
ToneEin realitätsnaher Militärthriller“Ein Abenteuer im ”Scooby-Doo“-Stil
Der AntagonistMajor Bludd (Identitätsdiebstahl)Destro & Baroness (Falschmeldungen und Eifersucht)
FamilienbandeZwischen Joe und Cobra gibt’s nichtsLady Jaye entpuppt sich als eine Verwandte von Destro
BeschlussDestro bekommt sein Geschäft zurückDie Joes entkommen dem “Spuk”-Anwesen

Larry Hama, der Hauptverantwortliche für die Marvel-Comics-Reihe, vermied es bekanntlich, sich den Zeichentrickfilm anzusehen, um sicherzustellen, dass sich seine Erzählung weiterhin auf realistische, halbwegs realistische Militärtaktiken konzentrierte. Folglich wurde die Enthüllung um “Cousin Jaye” aus dem Zeichentrickfilm nie in den Comic-Kanon übernommen, sodass die beiden “Skeletons”-Geschichten als parallele, aber voneinander unabhängige Geschichten bestehen blieben.

Fazit: Zwei Vermächtnisse unter einem Titel

Letztendlich dient der Titel “Skeletons in the Closet” zwar als wichtiger thematischer Anknüpfungspunkt für die Auseinandersetzung mit Destros Hintergrund in beiden Medien, doch sind diese beiden Geschichten keine Adaptionen voneinander. Sie existieren als eigenständige Werke, die die spezifischen Stärken ihrer jeweiligen Plattformen widerspiegeln. Die Comic-Version bleibt eine straffe, charakterorientierte Auseinandersetzung mit den politischen und unternehmerischen Schwachstellen, die dem Leben eines Hightech-Waffenhändlers innewohnen, und beweist, dass selbst einem Mann mit Stahlmaske sein Imperium von innen heraus gestohlen werden kann.

Andererseits nutzt die Zeichentrickversion die kreative Freiheit der Samstagmorgen-Animationsserien voll aus und erkundet eine kitschige, gotische und zutiefst persönliche Geschichte ihrer Protagonisten. Indem sie psychologische Wendungen und Familiendramen gegenüber militärischen Plänen in den Vordergrund stellte, prägte sie die Geschichte nachhaltig – etwas, worüber Fans auch Jahrzehnte später noch diskutieren. 

In einem grünlich beleuchteten Raum schüttelt Destro, in einer schwarzen Uniform mit rotem Kragen und silberner Kette, Major Bludd in einem dunklen taktischen Outfit mit roten Akzenten und einem Kapuzenhelm die Hand. Der reflektierende Hintergrund unterstreicht die angespannte, strategische Atmosphäre ihres Gesprächs.

Für Fans der G.I.-Joe-Reihe verkörpern diese beiden Titel perfekt den “Wähle dein eigenes Abenteuer”-Charakter der Erzählkunst der 1980er Jahre und bieten einen Weg, der im Staub und Schlamm des Schlachtfelds verwurzelt ist, sowie einen anderen, der von Geheimnissen und einer makabren Atmosphäre umhüllt ist.

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